„Denkanstöße“ heißt das Bildungsprogramm des Schulfördervereins Katholisches Schulwerk des Bischof-Sproll-Bildungszentrums. Jährlich wird ein Ausflug für Vereinsmitglieder wie auch für Interessierte mit Blick auf das oberschwäbische Kulturerbe organisiert. Für die Führung in der Klosterkirche St. Magnus und im Bibliothekssaal konnte Rolf Waldvogel, bekannt als Kulturredakteur der Schwäbischen Zeitung, engagiert werden. Das Kloster Bad Schussenried mit einem der schönsten Bibliothekssälen hat der eine oder andere schon bestaunt, doch das Chorgestühl in der Klosterkirche Sankt Magnus wird seltener beachtet. Dabei gehört es zu den aufwendigsten barocken Holzschnitzereien – vermutlich der Welt. In diesem Meisterwerk von Georg Anton Macheln aus Überlingen wurden 1.000 Figuren und Tiere eingearbeitet. Die sehr feinen Arbeiten sind in Lindenholz geschnitzt. Das Chorgestühl, die Sitzbänke selbst sind aus Nussbaumholz. Die Wangen der Sitze sind ebenfalls mit geschnitzten Figuren aus der Mythologie wie auch mit musizierende Kinder oder Tieren verziert. Viele Jahre wohnte der Holzwurm in dem Chorgestühl. Die zahlreichen Wurmlöcher sind noch zu erkennen. Die späte Entwurmung im Jahre 1875 hatte zur Folge, dass bei einigen der feinen Reliefs der Kopf einer Person fehlt. Dies sind also keine Enthauptungsszenen, sondern das Ergebnis des Holzwurmfraßes. Die Kirche St. Magnus wurde 1185 als spätromanische dreischiffige Basilika erreichtet. Mit dem Einbau des Chorgestühls wurde sie barockisiert. Die Deckenmalereien stammen von Johannes Zick. Sehenswert ist auch die Orgel, die mit prachtvollen Verzierungen ausgestattet ist. Übrigens die Pfarrkirche würde gar nicht mehr an diesem Platz stehen, wenn man sich die Baupläne des Klosters anschaut. Ihre Gebäudeachsen passen nicht in die Symmetrie des Klosterareals. Daher war es geplant diese romanische Kirche mit gotischen Anpassungen abzureißen und leicht versetzt wieder neu aufzubauen. Die geplante Klosterkirche wäre zudem um ein Drittel größer geworden. Angedacht waren zwei Kirchtürme, die den beginnenden Chorraum flankieren würden. Vielleicht hat es doch sein Gutes, wenn das Geld ausgeht und Sehenswertes erhalten bleibt. Im naheliegenden Klostergebäude konzentrierte sich der Blick auf den Schussenrieder Bibliothekssaal. Der Bibliothekssaal (1754-1762) gilt als einer der imponierendsten Raumschöpfungen des süddeutschen Rokokos. Er hat eine Länge von 27 Metern, eine Breite von über 13 Metern und ist mehr als 7 Meter hoch. In der Empore über den Bücherschränken sind die Künste wie Musik, Bildhauerei, Malerei und Architektur abgebildet. Im ovalen Deckengemälde werden die wissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Lehren und Studienschwerpunkte der Prämonstratenser Mönche präsentiert. Es dient der Verherrlichung der Wissenschaften, der Lehre. Beispielsweise ist in einem Feld die Philosophie mit Aristoteles und Sokrates abgebildet. Ebenfalls zu sehen ist der Thron mit König Salomon und der bekannten Geschichte, wie zwei Frauen sich um ein Kind streiten. Das Deckengemälde von Franz O. Hermann ist ein Wimmelbuch an Geschichten und Details. Auch Pater Mohr mit seinen entwickelten Flügeln ist zu sehen. Erwähnenswert sei auch, dass die Bücherschränke, in denen einmal geschätzt 25.000 Bücher standen, bewusst bemalt wurden. Denn die unregelmäßigen einheitlichen gemalten Buchrücken unterstreichen die Einzigartigkeit des Raumes mehr, als die originalen braunen dunklen abgegriffenen Bücher. Auch wer oft schon im Kloster Bad Schussenried war, es sind immer wieder Details zu entdecken, die man bei der letzten Führung überhört oder wieder vergessen hat. Beeindruckende Baukunst, ein kulturelles Erbe.
Text und Fotos: Inge Veil-Köberle 

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