Abschied von Ignaz Zachay


mit Ignaz Zachay verliert das Bischof Sproll Bildungszentrum seinen prägenden Gründungsrektor und einen besonderen Menschen, mit dem viele Erinnerungen in Rißegg lebendig sind.

Ignaz Zachay war der erste Schulleiter am BSBZ. Im Jahre 1979 startete er mit überschaubarem Kollegium und 161 Kindern auf der grünen Wiese vor den Toren Biberachs. Engagiert, und mit großem Elan bewältigte er in dieser Zeit die nicht immer leichte Aufgabe einer Schulgründung, die vom Katholischen Schulwerk Biberach und der Diözese Rottenburg Stuttgart in die Wege geleitet worden war. Durch sein Stehvermögen und sein Grundvertrauen in die Menschen und ins Leben gelang ihm in 25 Jahren Leitungstätigkeit die beeindruckende Leistung eine erfolgreiche Schule auf den Weg gebracht zu haben, auf die er mit Freude und großem Wohlwollen zurückblickte. Sein zupackendes Wesen und sein enormes Arbeitspensum  waren ein Glücksfall für das Bischof Sproll Bildungszentrum. Nachdem 1986 die Realschule gegründet worden war, leitete er am Ende seiner vielfältigen Tätigkeit den Bau des Gymnasiums in Rißegg mit ein. Das Ergebnis ist heute ein Bildungszentrum, das allen Kinder und Jugendlichen  ein Angebot machen kann.

Als Pädagoge waren ihm sein christlicher Glaube und der Auftrag des Marchtaler Plans, das Kind in die Mitte zu stellen, Richtschnur und Ansporn. Die Schülerinnen und Schüler fanden in ihm einen Fürsprecher und Rektor, der Grenzen setzte, aber bei dem sie immer das Gefühl hatten, dass er sie mochte. Ignaz Zachay gehörte zu einer Generation, die von der Aufbruchstimmung des 2. Vatikanischen Konzils in der katholischen Kirche stark beeinflusst war. Die dadurch bewirkte, fortschrittliche Öffnung der Kirche und die Weitergabe des Christusimpulses an die nächsten Generationen waren ihm wichtig. Sein zugewandtes Wesen verschaffte ihm jene Glaubwürdigkeit, die es ihm möglich machte, Konflikte, die es immer mal gibt, mit einem „sind wir wieder gut miteinander“ aus der Welt zu schaffen. In dieser vergebenden Haltung folgte er übrigens seinem Vorbild Bischof Sproll nach. Dem oberschwäbischen

Bischof aus Schweinhausen lag nicht nur, wie Ignaz Zachay, die Jugend am Herzen, sondern auch eine verzeihende Grundhaltung gegenüber seinen Mitmenschen.

Als Schulleiter pflegte er mit seinem Kollegium einen Umgang, der von Loyalität, Gerechtigkeit, Zuhören und Prinzipientreue geprägt war. Er hatte großes Vertrauen in seine Kolleginnen und Kollegen.

Ignaz Zachay war ein lebensfroher und humorvoller Mensch. Unvergessen sind die sangesfreudigen Abende mit dem Kollegium in der Trinkstube in Obermarchtal oder das große Fest zum 60. Geburtstag, wo die Schulgemeinde ihren „Captain“  in der Alten Aula feierte. In einem der Besprechungszimmer am BSBZ, hing über die Jahrzehnte ein Foto, das Ignaz Zachay ausgelassen tanzend bei einer Grundschul-Fasnetsfeier zeigte.

Neben dieser extrovertierten Seite stand er auch vielen im Verborgenen zur Seite, bot seine Hilfe und Rat an.

Ein Zeitungsausschnitt aus dem inzwischen eingestellten „Wochenblättle“ verdeutlicht, dies in augenfälliger Weise. Der kurze Text berichtet von einem Mann, der im Gasthof Linde in Ummendorf sein Essen stehen lässt um einen hilflosen Zeitgenossen, der offensichtlich etwas über den Durst getrunken hat, nach Hause zu begleiten. Das Taxi bezahlt der Unbekannte ebenfalls. Die Person, die diese Geschichte der Presse gesteckt hatte, erzählte später, dass dieser Mann Ignaz Zachay gewesen sei. Es wäre dem Verstorbenen jetzt sicher nicht recht, dass  diese Geschichte hier erwähnt wird, sie zeigt jedoch, die beispielgebende Menschlichkeit des Verstorbenen.

Sein  Namenspatron Ignatius von Loyola meinte einmal: Wir müssen alles tun, was wir können, aber am Ende steht das Vertrauen auf Gott. In diesem Vertrauen hat Ignaz Zachay gelebt, in diesem Vertrauen hat er die Welt verlassen.

In aufrichtiger Dankbarkeit werden wir uns an den Menschen Ignaz Zachay und seine bleibende Lebens- und Pionierleistung für unsere Schule erinnern. Die Schulgemeinschaft verneigt sich vor dem Verstorbenen.

Auf ein Wiedersehen in einer anderen Wirklichkeit.

 

Text: Markus Holzschuh
Fotos: Archiv BSBZ

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