Die Gebärdensprache scheint oft fern und beziehungslos. Dabei ist sie viel greifbarer und relevanter als vielleicht erwartet. Mir war es deshalb ein Anliegen, die Gebärdensprache sichtbarer zu machen und meinen Mitmenschen näher zu bringen. So entwickelte sich gemeinsam mit meiner Deutschlehrerin Frau Dollinger die Idee, dass ich meine GFS mit den wichtigsten Informationen rund um die Gebärdensprache in einem etwas anderen Rahmen präsentiere.
Ich hielt meine GFS somit nicht wie üblich im eigenen Deutsch-Basiskurs, sondern stellte sie den 10.-Klässlern des Gymnasiums vor und machte daraus eine Art Crashkurs zum Thema „Gebärdensprache“. Der Grund für diese Änderung der GFS-Vorstellung ist der Zusammenschluss der 10. Klassen zu einer Oberstufe im kommenden Jahr. Dort werden sie nämlich mit einer gehörlosen Mitschülerin, die auf Gebärdensprache angewiesen ist, zusammenkommen.
Ziel der GFS war es daher, den Schülerinnen und Schülern bereits im Vorfeld einen ersten Einblick in dieses relevante Thema zu geben und ihnen zu zeigen, wie Kommunikation auch ohne gesprochene Sprache funktionieren kann.
Zu Beginn der Präsentation ging es zunächst um die allgemeine Relevanz des Themas. Dabei wurde deutlich, dass Gebärdensprache in unserer Gesellschaft nicht nur von Gehörlosen, sondern auch von vielen anderen genutzt wird. Auch die zukünftige Kursstufe wird im schulischen Alltag mit Gebärdensprache konfrontiert werden.
Im nächsten Teil der GFS wurde die Gebärdensprache im Allgemeinen kurz erklärt und verdeutlicht, dass sie als eine vollwertige Sprache mit eigener Grammatik gilt.
Daraufhin gab es einen kurzen Einblick in die Geschichte und Entstehung der Gebärdensprache. Während meiner Recherche stieß ich auf die Probleme von Gehörlosen aus früheren Jahrhunderten. Dazu zählten beispielsweise der Ausschluss von Gehörlosen vom Rest der Bevölkerung, die automatische Annahme, dass gehörlose Menschen bildungsunfähig seien oder auch das gewaltvolle Erzwingen, das Sprechen zu lernen. Die Kursstufe lernte zudem, dass sich die Gebärdensprachen unabhängig voneinander entwickelt haben und es daher viele verschiedene Varianten gibt, die auch nicht an die Lautsprache gebunden sind. Die späte offizielle Anerkennung der Gebärdensprache als vollwertige Sprache im Jahr 2002 überraschte ebenfalls viele.
Anschließend wurde thematisiert, inwiefern der Alltag barrierefrei gestaltet ist und wo man möglicherweise auf Exklusion stoßen könnte. Es wird zwar zunehmend auf Inklusion geachtet und durch den Einsatz von Dolmetschern oder der Bereitstellung von Untertiteln gefördert, jedoch ist der Alltag bei weitem noch nicht barrierefrei. Es scheitert beispielsweise an Freizeitangeboten und Vereinen sowie an fehlenden visuellen Feueralarmen.
Im letzten Teil der GFS wurde der Aufbau und die Struktur der Gebärdensprache kurz erläutert. Darauf aufbauend folgte eine kleine Einführung zu den wichtigsten Gebärden, zum Beispiel für die Begrüßung, einfache Fragen oder alltägliche Begriffe. Dieser praktische Teil war für viele der spannendste und sie zeigten ein großes Interesse. Gemeinsam wurden diese Gebärden ausprobiert und geübt, sodass am Ende jeder zumindest ein paar Begriffe selbst gebärden konnte.
Unterstützt wurde ich sowohl bei der Vorbereitung als auch beim Vortrag von einer Dolmetscherin und der gehörlosen Mitschülerin.
Ergänzend dazu gab es ein Handout, auf dem die wichtigsten Gebärden noch einmal abgebildet waren. Diese sollten die Schülerinnen und Schüler mitnehmen, damit sie im Alltag oder auch auf der anstehenden Klassenfahrt aller zehnten Klassen darauf zurückgreifen können.
Dieser Vortrag sollte somit auch dazu dienen, die Hemmschwelle beim Ansprechen zu senken und die zukünftige Klassengemeinschaft zu stärken. Insgesamt war die GFS also nicht nur eine Präsentation, sondern auch ein Versuch, für dieses Thema zu sensibilisieren und mehr Klarheit zu schaffen.
Autorin: Anna Späth, GYM J1
Foto: Carolin Dollinger