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„Sabah al-khair“ und „Boker tov“: Mit einer Begrüßung auf Arabisch und Hebräisch eröffnete der israelische Rabbiner Jeremy Milgrom am vergangenen Montag seinen Dialog mit den Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums am Biberacher Bischof-Sproll-Bildungszentrum. „Guten Morgen“ in den beiden Sprachen der Menschen, um die es ihm geht – damit wurde seine Botschaft unmittelbar spürbar: die Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern für einen nachhaltigen Frieden in der Region.

Der Besuch des Rabbiners war Teil der Themenwoche „Menschlichkeit, Erinnerung und Frieden“, die die gesamte Schulgemeinschaft dazu einlud, über Verantwortung, Versöhnung und die Würde jedes Menschen nachzudenken.

Jeremy Milgrom, Jahrgang 1953, ist Mitbegründer der Organisation „Rabbis for Human Rights“ und engagiert sich seit vielen Jahren für Menschenrechte und den Dialog zwischen Israelis und Palästinensern. Seine Überzeugung für Frieden und Gewaltverzicht erwächst aus seiner eigenen Lebensgeschichte: Als junger Mann diente er in der israelischen Armee und verlor im Jom-Kippur-Krieg 1973 seinen besten Freund. Diese Erfahrung prägte seinen Weg vom Soldaten zum überzeugten Friedensaktivisten.

In der Aula des Gymnasiums erzählte Milgrom den Jugendlichen nicht nur über den Nahostkonflikt, sondern vor allem über die Menschen hinter den politischen Entwicklungen. Besonders eindrücklich schilderte er eine Begegnung nach dem 7. Oktober: Eine Freundin aus Gaza habe ihn angerufen und gefragt, ob bei ihm alles in Ordnung sei – obwohl ihre eigene Situation ungleich schwieriger gewesen sei. Diese persönliche Geschichte machte deutlich, dass Menschlichkeit auch in Zeiten von Gewalt und Leid möglich bleibt.

Die Schülerinnen und Schüler waren auf die Begegnung intensiv vorbereitet und verfolgten den Vortrag über 90 Minuten hinweg aufmerksam und konzentriert. Viele der persönlichen Erzählungen bewegten die Jugendlichen sichtbar. In der anschließenden Fragerunde zeigten sie mit ihren differenzierten und tiefgehenden Fragen, dass sie sich nicht nur informieren, sondern die komplexen Zusammenhänge wirklich verstehen wollten.

Die Veranstaltung, die durch die katholische Friedensbewegung pax christi vermittelt wurde, war Teil eines umfassenden pädagogischen Konzepts. Klasseninterne Impulse bildeten den Auftakt der Themenwoche und griffen Fragen von Zivilcourage, Versöhnung und christlicher Friedensverantwortung auf.

Den Abschluss bildete ein besonderer Moment der Stille und Verbundenheit: Jeremy Milgrom sprach den Schülerinnen und Schülern den aaronitischen Segen zu:

„Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“ Mit diesen Worten endete eine Begegnung, die vielen Jugendlichen noch lange in Erinnerung bleiben dürfte. Sie zeigte, dass Frieden nicht nur eine politische Aufgabe ist, sondern eine persönliche Haltung – geprägt von Menschlichkeit, Empathie und dem Mut zum Dialog.


Text: Johannes Gresser
Fotos: Matthias Förtsch

GS WRS RS GYM

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