Nachrichten und Berichte , 20.03.2017

Sympathien gab es für beide…

Auf ganz ungewöhnliche Weise hat Egon Wieland, im Hauptberuf Kurseelsorger in Bad Waldsee, die Geschichte von zwei ungleichen Brüdern und deren Vater in einem Morgenkreis in der Fastenzeit vorgestellt. Dabei erlebten die Klassenstufen neun und zehn am Bischof-Sproll-Bildungszentrum, wie szenisch, allein mit zwei verschiedenen Hüten ausgestattet, die Gemütslage, die Gedanken, die Vorstellungen vom Leben der beiden Brüder erfahrbar gemacht wurden. Wieland verstand es, das „Gleichnis vom verlorenen Sohn“, wie die allein im Lukasevangelium vorkommende Geschichte heißt, mit den Emotionen und Überlegungen der Brüder so darzustellen, dass beide auf große Sympathie stießen. Der zuverlässige, stets „schaffige“ ältere Bruder, der nie Zeit finden konnte, um auch mal zu feiern und der jüngere Bruder, der sein Erbteil verprasste und dann aus der für einen Juden absolut erniedrigenden Arbeit als Schweinehirt reumütig zum Vater zurückkehrte. Dabei, so wurde nicht nur aufgrund der größeren "Hutanteile" des jüngeren Bruders deutlich, warb Wieland durchaus für den jüngeren Bruder, der das, was er zu tun hatte, mit sehr viel Sorgfalt erledigen wollte, dabei aber auch Zeit zum Genießen und zur Muse suchte und fand. Nachdem er dies allerdings übertrieben hatte, besann er sich, kehrte heim und wurde vom barmherzigen Vater wieder mit allen Rechten eines Sohnes mit großer Freude und ausgelassener Feier erneut in den Kreis der Familie aufgenommen. Wie sich die beiden ach so verschiedenen Brüder vielleicht doch noch versöhnen hätten können, ergab sich dann im Gespräch nach dem Ein-Mann-Wieland-Theater. Sie hätten sich einfach an einen Tisch setzen sollen, miteinander sprechen sollen, miteinander feiern sollen. Gemeinsam geht’s, so eine der möglichen Lehren aus der beeindruckenden Vorstellung des 55-jährigen Diplomtheologen Egon Wieland oder es würde jedenfalls gehen, wenn man die Gemeinsamkeit sucht und ehrlich miteinander umgeht, Fehler bereut und sich gegenseitig den Respekt erweist.
Am Ende des zwei Schulstunden dauernden Morgenkreises bedankte sich Lehrer Helmut Rosensteiner, auf dessen Initiative hin Wieland, also der Egon Wieland, nach Biberach kam, für die beeindruckende Vorstellung.
Text und Fotos: Günter Brutscher