Nachrichten und Berichte , 20.07.2017

Verdun - 100 Jahre danach - Studienfahrt der 9. Klassen des Gymnasiums am BSBZ

Vier Uhr morgens, der Wecker klingelt. Kurz ins Bad, schnell noch gefrühstückt und ab zur Schule. Punkt fünf Uhr saßen die Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen im Bus, fertig zur Abfahrt zu unseren französischen Nachbarn. Gute vier Stunden bis Straßburg boten reichlich Zeit, um noch ein wenig Schlaf nachzuholen. Die aufgehende Sonne im Rücken versprach bestes Wetter, optimale Voraussetzung für einen Bummel durch die malerische Altstadt von Straßburg, die um neun Uhr morgens langsam zu erwachen schien. Anschließend stand ein Besuch im Europaparlament auf dem Programm. Dort bot sich die Gelegenheit eine Abstimmung zu Beschlüssen der aus den 28 europäischen Ländern entsandten Abgeordneten mitzuerleben. „Dafür?", „Dagegen?", „Enthaltungen?". Der gewonnene Eindruck ließ Interesse und damit viele Fragen bei den Schülerinnen und Schülern entstehen, für die sich der Europaabgeordnete Norbert Lins im Rahmen eines persönlichen Gespräches Zeit nahm und Frage für Frage geduldig beantwortete. Am Ende musste der gesamte Trupp in Rekordzeit zurück zum Bus sprinten, unser Fahrer Walter hatte feste Zeiten einzuhalten, nahm die Verspätung aber gelassen. Weitere vier Stunden später waren wir in Verdun. Nach dem Check-in im Hotel und einer kurzen Pause, ging es in die Stadt um Abend zu essen und anzukommen. Manch einer nutze die Zeit für erste Entdeckungstouren der sportlichen Art, andere flanierten entlang der Maas und genossen den lauen Abend in der geschichtsträchtigen Stadt. Am nächsten Morgen begann unsere Reise mit Michael Prisille durch die Jahre des Ersten Weltkriegs in und um Verdun. Zunächst gab es eine Einweisung in die Kämpfe und den Minenkrieg, dann hatten wir Gelegenheit eine unterirdische Kasernenanlage in Vauquois zu besichtigen. Eine Herausforderung für die Klaustro- und Arachnophobiker unter uns. Trotzdem haben alle ihre Ängste überwunden und sich getraut den Experditionsleitern in die dunklen, unbekannten Gänge zu folgen. Zur Belohnung gab es danach Mittagessen auf einem lauschigen Rastplatz im Argonnenwald. Nachmittags spazierten wir über das Gelände und versuchten uns einen Eindruck von der Umgebung und der Entwicklung des Stellungskrieges im Wald zu machen, von dessen Existenz 1918 kaum mehr Spuren übrig geblieben waren. Ein Wald als Zeuge der Zeitspannne von 100 Jahren. Ein Schauplatz, der so still erschien, wo damals nichts als der Krieg zu hören gewesen sein dürfte. Zum Gedenken an die Gefallenen des Krieges, brachte uns Herr Prisille zum Soldatenfriedhof Apremont, der einen Eindruck von der Bestattungskultur nach dem Ersten Weltkrieg vermittelte. Versteckt im Wald ein Gelände, auf welchem die deutschen Gefallenen im Zeichen schwarzer Kreuze ihre letzte Ruhestätte fanden. Um die Soldaten zu ehren, legten die Schülerinnen und Schüler einen Kranz nieder. Ein Schüler fand den Mut, diesen denkwürdigen Moment mit ergreifenden Worten zu füllen. Der anschließende Besuch des amerikanischen Friedhofes Montfaucon ließ die Unterschiede in der Erinnerungskultur verschiedener Länder besonders deutlich werden. Alle Teilnehmer der Exkursion waren merkbar bewegt angesichts der Ehrerbietung, die der amerikanische Staat seinen Gefallen des Ersten Weltkriegs entgegenbringt. Abgerundet wurde der Tag mit einem gemeinsamen Abendessen in einer französischen Landgaststätte. Nicht jeder war angetan von Pastete und Co., manch einer hätte Pizza und Spaghetti bevorzugt, nichtsdestotrotz dürfte alle die Erfahrung in puncto traditionell französischer Küche in Erinnerung behalten. Am letzten Tag besichtigten wir das Fort Doumamont, welches zur Zeit des Krieges eine bedeutende Festung darstellte und das Gebeinhaus, das über dem Friedhof der französischen Gefallenen thront. Anschließend ging´s vorbei an einem Dorf, das während des Krieges derart zerstört worden war, dass es einfach nicht mehr aufgebaut wurde. Jedes nicht mehr existente Haus bekam stattdessen eine Gedenktafel. Den krönenden Abschluss der Exkursion rund um den Ersten Weltkrieg in Verdun bildete das Memorial von Verdun. Dort konnte sich jeder nochmal genau den Themengebieten widmen, die ihn an diesem Krieg besonders interessierten. Von geschichtlichen Überblicksdarstellungen in Form von Kurzfilmen, über Fahrzeuge der damaligen Zeit, Uniformen und Marschausrüstung bis hin zum Miniaturschachspiel ließen sich Zeugnisse einer Zeit entdecken, die Europa erschütterte. 
Text und Fotos: Johanna Schmid