Nachrichten und Berichte , 31.01.2018

Übergabe des Bildes "Gertrud Luckner" von Marlis Glaser

BSBZ - Wenige Tage nach dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus hat Marlis Glaser ihr Bild von Gertrud Luckner in einer Feierstunde an das Bischof-Sproll-Bildungszentrum übergeben. Mit dabei waren Veit Feger, ehemals Chefredakteur und Verleger der Schwäbischen Zeitung Ehingen, der das Bild gespendet hat, und Professor Hanspeter Heinz, Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, der Gertrud Luckner selbst noch kannte. Am Beginn der Feierstunde stand nach dem Lied „Schalom Chaverim“, vorgetragen vom Grundschulchor am BSBZ unter Leitung von Martin Kennel, eine Einführung in die Biographie Gertrud Luckners (1900 bis 1995), die Daniel Merkel, Schüler der 11. Klasse, erarbeitete und vortrug. Die von Marlis Glaser in kräftigen Farben portraitierte Gertrud Luckner hat während der Zeit des Nationalsozialismus sich öffentlich auf die Seite der jüdischen Bevölkerung begeben und zahllosen Juden zur Flucht geholfen. Sie selbst wurde als Pazifistin, Widerstandskämpferin und „fanatische Gegnerin des Nationalsozialismus“, wie es in ihrer Festnahmemeldung steht, über Jahre hinweg von der Gestapo beobachtet und schließlich im Jahre 1943 mit dem roten Winkel der „Politischen“ in „Schutzhaft“ ins KZ Ravensbrück verbracht. Marlis Glaser, die in Attenweiler lebende Künstlerin, die das Portrait Gertrud Luckners für eine Ausstellung unter dem Titel „Gesicht zeigen“, bei der 15 mutige Frauen zu sehen waren, malte, erläuterte, warum sie die zum Katholizismus konvertierte Luckner in diese Reihe bedeutender Frauen aufnahm. Neben ihrem „wahrhaft mutigen Verhalten während des Nationalsozialismus“ zeigte sich die Künstler auch angesichts des Einsatzes Luckners für den christlich-jüdischen Dialog beeindruckt von der Frau, die immer frei ihre Gedanken aussprach, „sich durch nichts von ihrer Überzeugung, gegen Unmenschlichkeit aufzustehen, abbringen ließ“ und schon unmittelbar nach dem Krieg den Kontakt nach Israel suchte. So wurde Luckner mit einem Baum in Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. Der Spender des Bildes, Veit Feger, machte deutlich, warum er nicht nur das Bild von Getrud Luckner, sondern auch andere Gemälde von Marlis Glaser vornehmlich für Schulen spendet. Ihm geht es darum, dass auch junge Leute mutige und entschiedene Menschen wie Gertrud Luckner nicht vergessen, sondern diese vielleicht sogar zum Vorbild nehmen. „Liebe Schüler“, so rief Feger die anwesenden Klassensprecherinnen und Klassensprecher und deren Stellvertreter auf, „ihr werdet auch in Deutschland genügend Chancen haben, euch einzubringen, in einem christlichen wie auch in einem allgemein humanitären Sinn“, was Feger zum Beispiel im Einsatz für die von Abschiebung bedrohten Asylbewerber sah. Noch bevor einzelne Schüler Auszüge aus den Gestapo-Akten, die für Luckner notiert wurden, vortrugen, stellte Professor Heinz die Portraitierte als eine bescheidene, politisch weitsichtige, kluge, tapfere, im rechten Moment allerdings entschiedene und auch im Nachkriegsdeutschland aufrechte Persönlichkeit vor. „Und“, so Heinz, „sie hat trotz alldem, was ihr und denen, um die sie sich sorgte, widerfahren ist, nie gehasst.“ Ihr großes Anliegen sei es gewesen, dass den Verfolgten und Opfern des Nationalsozialismus und dabei vor allem den Juden, „die Würde nicht genommen wird“. Dabei machte die vielfach Geehrte auch nach ihrem mutigen Einsatz während des Nationalsozialismus nur wenig Aufhebens um ihre Person. „Ich habe getan, was ich tun musste, was mir mein Gewissen vorgab“, so zitierte Heinz die im Jahre 1995 verstorbene Gertrud Luckner.
Text: Günter Brutscher, Fotos: Markus Hinderhofer und Roya Rahmani