Nachrichten und Berichte , 24.07.2018

Lisa Wedler ist Landespreisträgerin im Themenbereich „Eckensteher, Randfiguren“

Lisa Wedler, Schülerin der Jahrgangsstufe 1 am Bischof-Sproll-Gymnasium, hat beim 28. Landeswettbewerb Deutsche Sprache und Literatur Baden-Württemberg im Themenbereich „Eckensteher, Randfiguren – Kleine Rollen in Literatur und Film“ mit einem weiteren Schüler den ersten Preis erzielt. Neben mehreren Büchern und Geschenkartikel, die ihr überreicht wurde, konnte sie auch das viertägige Seminar der Landespreisträgerinnen und Landespreisträger im Kloster Schöntal Mitte Juli besuchen. Zudem steht ihr die Möglichkeit offen, an einem Qualifikationsverfahren für ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes teilzunehmen. Ein wahrlich hoch dotierter Wettbewerb, den das Kultusministerium ausgeschrieben hatte. Lisa Wedler hat in dem von ihr gewählten Themenbereich „Eckensteher und Randfiguren“ aufgeschrieben, was wohl der blinde Mann in Lisas Lieblingsfilm „Die fabelhafte Welt der Amelie“ gedacht haben mochte, als ihn Amelie am Arm nahm und über die Straße führte. Dabei schildert Lisa Wedler Kindheitserinnerungen voller Gerüche, Geräusche und Begegnungen, die dem blinden Mann, der selbst im Film kein einziges Wort sagt und im Handlungsgefüge des Films eigentlich gar keine Rolle spielt, wohl in den Sinn gekommen sind, als er von Amelie an Orte geführt wurde, die er seit seiner Erblindung durch Glassplitter bei einer Detonation im Zweiten Weltkrieg gar nicht mehr betreten wollte. Die durch die Schilderungen der Autorin Lisa vermittelten Gefühle, die der Erblindete als wohltuend, gar erquickend erfährt, gipfeln im Schlusssatz der fiktiven Geschichte, der da lautet: „Es fühlt sich fast so an, als würde eine kleine Träne aus meinen eingetrübten Augen auf meiner gealterten Wange eine feuchte Spur hinterlassen, bevor sie abrutscht und auf dem Boden landet.“ Die Schilderungen der Gefühle und Eindrücke des erblindeten, mittlerweile gealterten Mannes hat Lisa auf Anregung ihrer Lehrerin Beate Shaw, die das Wahlfach Literatur und Theater am Bischof-Sproll-Bildungszentrum gibt, aufgeschrieben. Es war wohl dieses hohe Maß an Empathie, an Einfühlungsvermögen in die Situation der Randfigur des Films, das die achtköpfige Jury überzeugte. An einen Preis hat die bald 18-Jährige, die in Mittelbiberach mit ihrer Familie lebt, zunächst nicht gedacht. „Man kann es ja mal einsenden“ dachte sie, als sie ihre Schilderungen quasi auf den letzten Drücker abgab. Als sie dann den Gratulationsbrief bekam, war sie, die sonst höchstens mal Reisetagebücher schrieb, „echt überrascht“. Der Preis ermutigt sie nun aber, doch mehr zu schreiben, gerne auch etwas im Bereich des Journalismus. Sie lächelt, als sie auf die Frage nach ihrer beruflichen Perspektive „Deutsch, Literatur, Journalismus oder so etwas in dem Umfeld“ angibt. In der für Lisa Wedler typischen Zurückhaltung gibt sie schließlich wieder, dass sie froh und dankbar ist, dass sie im Literaturkurs die Möglichkeit bekam, bei dem Wettbewerb mitzumachen und dass sie im Philosophisch-Theologischen Forum an der Schule dann auch noch Impulse fand, die ihr ethische und philosophische Hintergründe erschlossen, die sie dann mittelbar in ihren Text einfließen lassen konnte.
Text und Foto: Günter Brutscher