Geschichte in der Schule zu lernen, ist eine Sache – sie an den Orten zu erleben, an denen sie tatsächlich passiert ist, eine ganz andere. An kaum einem anderen Ort werden die Folgen des Ersten Weltkriegs so deutlich wie in Verdun. Die endlosen Reihen von Soldatengräbern und die Spuren der Schlacht machen deutlich, wie stark dieser Krieg die Menschen und die Landschaft geprägt hat. Um diese Geschichte besser zu verstehen, begann unsere Studienfahrt der neunten Klasse des Gymnasiums am Bischof-Sproll-Bildungszentrum am Montag, den 06.07.2026.
Zunächst führte uns die Reise nach Straßburg. Am Europäischen Parlament angekommen, durften wir nach der Ausweiskontrolle das beeindruckende Gebäude zuerst auf eigene Faust erkunden, bevor wir mit Audioguides mehr über die Geschichte, die Aufgaben und die Arbeitsweise des Europäischen Parlaments erfuhren. Besonders eindrucksvoll war der Besuch des Plenarsaals, in dem die Abgeordneten aus allen Mitgliedsstaaten über wichtige europäische Themen beraten und abstimmen. Anschließend blieb noch Zeit Straßburg zu besichtigen. Diese nutzen wir dazu, den Straßburger Dom zu besuchen, Flammkuchen zu essen oder typisch französische Spezialitäten wie Croissants oder Macarons zu probieren. Auch das Einkaufen von Kleidung aus Läden, die es bei uns in der Nähe nicht gibt, durfte nicht zu kurz kommen.
Am Nachmittag ging unsere Reise weiter nach Verdun, wo wir, nachdem wir unsere Zimmer bezogen haben, unseren Guide für die nächsten zwei Tage, Michael Prisille, kennenlernten. Sobald wir über das Programm der folgenden Tage aufgeklärt wurden, hatten wir die Gelegenheit, uns die Stadt Verdun in Kleingruppen anzuschauen und auch viele Fotos zu machen. Unser Guide begleitete uns während des gesamten Aufenthalts und erklärte uns anschaulich die Hintergründe der Schlacht um Verdun.
Am nächsten Tag, Dienstag, den 07.07.2026, war unser erster Halt in Vauquois, wo wir mehr über die Bedeutung der Festung und über den Schlieffenplan erfuhren. Besonders eindrucksvoll waren die bis heute sichtbaren Granatentrichter, der begehbare, nachgebaute Schützengraben und auch der nachgebaute Minenwerfer, wodurch die Schrecken des Krieges für uns greifbar wurden. Die nächste Station war der Argonnenwald, bei welchem wir auch unsere Mittagspause einlegten. Im Wald sind die verzweigten Schützengräben noch sehr gut erhalten geblieben, sodass sie heute nur ein paar Zentimeter höher sind, als sie vor über 100 Jahren waren. Am amerikanischen Soldatenfriedhof Montfaucon stehen rund 14 000 weiße Kreuze und auch Davidsterne, um all den Amerikanern zu gedenken, die in den letzten Wochen des Krieges gefallen sind. Soldaten, die besondere Leistungen beziehungsweise Fortschritte leisteten, wurden mit einer goldenen Gravur im Kreuz und einer amerikanischen Flagge geehrt. Danach gingen wir zum Mort Homme, wo wir einen kleinen Teil eines Rundweges gelaufen sind, während unser Guide uns über die Statue, die dort steht, aufklärte. Schließlich war unser letzter Stopp am deutschen Soldatenfriedhof, an dem wir in Gedenken an die Opfer und das Leid des Ersten Weltkriegs einen Kranz neiderlegten. An all diesen Orten wurde deutlich, welch unvorstellbare Opfer die Kämpfe um Verdun forderten und wie sinnlos der Krieg angesichts der vielen Toten und nur wenigen Metern Grenzverschiebung war.
Unseren letzten Tag, Mittwoch, den 08.07.2026, begannen wir beim Fort Douaumont, wo wir sehr viele Panzerkuppeln besichtigten und auch in die früheren Schlafzimmer der Soldaten blicken konnten. Einen kurzen Zwischenstopp legten wir am zerstörten Dorf Fleury-devant-Douaumont ein, welches nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut wurde und heute als Mahnmal an die Folgen des Krieges erinnert. Dort wird durch Steine gezeigt, wo früher die Häuser standen und Straßen verliefen. Auch das verdeutlichte die enorme Zerstörung während des Krieges. Schließlich besichtigten wir das Gebeinhaus von Douaumont. Nach einem einführenden Film konnten wir den Turm besteigen und das Innere des Gebäudes besichtigen, in dem die Gebeine zahlreicher nicht identifizierter Soldaten ruhen. Ein Bunkerbesuch rundete das Programm ab. Nach vielen eindrucksvollen und nachdenklich stimmenden Erlebnissen traten wir schließlich die Heimreise an, so dass wir um 21 Uhr in Rißegg ankamen.
Die Fahrt zeigte uns nicht nur die Bedeutung Europas heute, sondern auch, wie wichtig Frieden und Verständigung zwischen den Völkern sind.
Text: Jasmin Kreutle, Franziska Röger, Salome Schmidberger
Fotos: Anja Gnann, Volker Kammerer